Schülerkongress: Partizipation stärken

Schulerkongress(1)Am 20 Juni soll ein neues Projekt meine Profilklasse im Jahrgang 12 verlassen: der Schülerkongress. Jedes Semester der Studienstufe mache ich ein Projekt mit meiner Profilklasse, in der  fächerübergreifendes und projektartiges Lernen seinen Raum findet. Nach dem Gentrifizierungsprojekt zu Hamburger Stadtteilen im ersten Semester  bietet es sich im Jahr der Bundestagswahl an, ein Projekt zum politischen Diskurs zu entwickeln.

Schon länger wälze ich im Kopf Gedanken hin und her, wie man die Schür zu mehr eigener Aktivität bewegen kann. Zwölf Jahre Konsum-Lernen haben ihre Spuren hinterlassen. Die Schüler sitzen in der Klasse und warten auf das, was ihnen der Lehrer präsentiert. Wenn wir das immer so machen, müssen wir Lehrpersonal uns nicht über passive Schüler wundern.

Also habe ich mir die Förderung der Partizipation auf meine Agenda für das zweite Semester-Projekt geschrieben. Ich will mit den Schülern gemeinsam einen „Schülerkongress“ organisieren, auf dem die Schüler ihre Ideen und Gedanken zum politischen Geschehen austauschen können. Das Wahljahr mit der Bundestagswahl bietet sich dazu gerade an.

Im Februar habe ich diese Projektidee in meiner Klasse verkündet. Es ist mir nicht gerade Begeisterung entgegengeschlagen, zu ungewohnt ist bei den Lernenden das Format, keine klaren Vorgaben durch die Lehrer zu bekommen. Ich habe meine Haltung erläutert, dass ich eine Idee in die Klasse bringe, aber mich dann in die Rolle eines Unterstützers oder Coaches zurückziehe. Ich habe zwei Schüler als Projektleiter wählen lassen, und ihnen dann alles weitere übergeben. Ich habe mich aber nicht zurückgezogen, sondern als „aktiver Freund“ die Planungen begleitet. Ich bin auch aktiv mit Ideen hinein gegangen, aber in erster Linie als Berater der Projektleiter.

Wir haben dann ein Karten-Brainstorming durchgeführt, um die Interessen der jungen Erwachsenen in den Blick zu bekommen. Die Karten wurden auf dem Boden sortiert und mit Oberbegriffen geclustert. Aus den Oberbegriffen wurden dann die Workshopthemen. Die Schüler übernahmen die Verantwortung für die Vorbereitung der einzelnen Workshops. 45 Minuten lang werden  sich die Schüler auf dem Kongress zu einem Thema austauschen können. Jeder Teilnehmer sollte zwei Workshops besuchen können.

Wir wollten die Klassen des 10 – 12 Jahrgangs einladen. Die 13er sind schon nicht mehr an der Schule und befinden sich in der letzten Phase der Abi-Prüfungen. Die 10.Klässler sind zwar bei der Bundestagswahl nicht wahlberechtigt, auf kommunaler Ebene haben sie in Hamburg jedoch ein Stimmrecht.

In den zwei Seminarstunden pro Woche rückten wir die Tische zu einem großen „Agentur-Konferenztisch“ zusammen und planten das weitere Vorgehen. Ich eröffnete ein „Trello.com“-Board, in dem wir die Planungen dokumentieren und steuern.

Als wir im März auf Besuch bei unserem Bundestagsabgeordneten im Berliner Bundestag waren, kamen wir auf die Idee, auch Politiker einzuladen. Es sollte aber keine der üblichen Podiumsdiskussionen geben, bei denen die Schüler passiv zuhören. Es sollte um Partizipation gehen, dem Gefühl, am Diskurs teilzunehmen und gehört zu werden. Wir wollen die Poltiker einladen, aber sie sollen eher die Chance haben, den jungen Menschen zuzuhören.  So werden wir eine Talk-Runde unter dem Motto „Politiker fragen – Schüler antworten“ machen.

Der Schülerkongress soll vier Stunden dauern, von 12.00 bis 16.00 Uhr in der Schulzeit. Wie bei einem richtigen Kongress können sich die Schüler akkreditieren und bekommen ein Namensschildchen. Nach der Eröffnung durch den Schulleiter wollen wir den Talk zwischen Poltikern und Schülern auf der Bühne durchführen. Danach geht es in zwei Workshoprunden.

Wenn es gut läuft, ergeben sich aus den Workshops Forderungen, die am Ende des Kongresses zusammengefasst und beschlossen werden können. Vielleicht kann man dann ein Forderungsmanifest an die Bundestagskandidaten übergeben.

Fortsetzung folgt. Ich werde weiter von den Vorbereitungen berichten.

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Projekte und digitales Lernen in der Studienstufe

Das neue Schuljahr hat begonnen und ich habe eine neue Profilklasse mit den Fächern Politik, Geografie und Seminar gestartet: Die Profilklasse MenschWelt. Ich gehe mit diesem Konzept in die dritte Runde und möchte meinen Schwerpunkte: Projekte und digitales Lernen, in diesem Profil ausbauen.

Hier ist mein Konzept: profilklasse-mw1618-planung

Ich hätte besonders Interesse an einer digitalen Austauschmöglichkeit meiner Schüler_innen mit anderen Klassen in Deutschland und Europa. Die Bearbeitung eines gemeinsamen Blogs wäre ein lohnendes Projekt.

Zurzeit bearbeiten wir ein Stadtteilprojekt: Gentrifizierung in Hamburger Stadtteilen. Weitere Projektideen wären die Organisation eines Jugendkongresses, in dem die Schüler Jungpolitiker in die Schule zur Diskussion einladen, ein Europaprojekt oder ein Projekt zum Thema Migration. Ich würde mich über Kontakte zu anderen Schulen und Lehrer_innen freuen.

Auch im digitalen Lernen würde ich gerne wieder etwas ausprobieren. In meinem Planungskonzept habe ich eine Liste verzeichnet, welche digitalen Tools ich gerne ausprobieren würde. Ein Hindernis gab es am Schuljahresanfang: Ein Bagger hat in den Ferien eine Wasserleitung gekappt, die den gesamten Keller mit Server unter Wasser gesetzt hat. Während der Server an einem anderen Standort wieder aufgebaut werden konnte, ging das WLAN mehrere Wochen nicht. Ich fand es doch schon erschreckend und überraschend, wie abhängig ich mittlerweile vom Internetzugang im Unterricht bin. Sogar das normale Drucken lief über den defekten Router und war somit nicht mehr möglich.

Aber nun kann es losgehen, alles geht wieder. Ich freue mich über weitere Projektideen für die Klassenstufen 12 und 13.