Schülerkongress zur politischen Partizipation

Am 20.06.2017 fand an der erste Schülerkongress an der Stadtteilschule Niendorf in Hamburg statt. 120 Schüler_innen der Klassen trafen sich in der Aula und in Workshops, um vier Stunden lang ihre Ideen und Forderungen im Bundestagswahljahr zu diskutieren. Mit dabei waren fünf Politiker aus dem Bezirk Eimsbüttel, die engagiert mit den jungen Leuten debattierten.

Das Politik- und Geografie-Profil 12MenschWelt der Oberstufe wollte keine Podiumsdiskussion mit Politikern, so wie sie vor der letzten Wahl stattfand. Die Schüler_innen sollten selber Gelegenheit haben, direkt mit den Politikern und untereinander ihre Gedanken und Wünsche auszutauschen. So fingen wir im Januar 2017 darüber nachzudenken, wie die jungen Leute selber aktiv einen Diskurs gestalten können. Die Idee eines Schülerkongresses wurde geboren.

Wenn der Schülerkongress eine größtmögliche Beteiligung der Schüler_innen ermöglichen soll, musste er auch selbst organisiert werden. Als Profillehrer legte ich also die Verantwortung in die Hände der „Klassen-Agentur“. Doch zur Organisation schreibe ich einen gesonderten Beitrag.

Der Schülerkongress wollte die jungen Leute dazu animieren, darüber nachzudenken, was sie von der Politik und der Gesellschaft in den nächsten vier Jahren erwarten. Mit der Bundestagswahl im September werden dafür die Weichen gestellt. Leider war bei den letzten Wahlen die Wahlbeteiligung bei Erstwählern eher gering. Deshalb war es logisch, dass die Moderatorin Nina in der ersten kleinen Talk-Runde die Politiker-Gäste fragte: „Warum sollte man heute als junger Mensch noch wählen gehen?“

 

Es antworteten Marc Schimmel von der SPD, Rüdiger Kuhn von der CDU, Johannes Müller von den Grünen und Ria Schröder von der FDP. Die Vertreterin von den Linken kam erst später hinzu.

Nach 20 Minuten ging es dann in die offene Diskussion: in einem „open space“ konnten alle Teilnehmer_innen sich nach ihren Interessen zusammentun und miteinander sprechen. Als Diskussionsanreiz hat die Profilklasse MenschWelt sechs Fragen auf Stehtischen gestellt, an denen man sich versammeln konnte.

Fragentisch

 

open space

Am Anfang war das Format für alle noch etwas ungewohnt, ist es doch in der Schule eher unüblich, dort hinzugehen, wo einen was interessiert. Aber als die Scheu abgelegt war, bildeten sich viele Diskussionsrunden. Anschließend war die Zeit der Workshops gekommen. Nina stellte die vorbereiteten Workshopthemen noch einmal für alle vor, auch wenn sich bei der Anmeldung alle Teilnehmenden schon für zwei Workshops angemeldet hatten. Jede_r konnte also an zwei Themen intensiver mitdiskutieren. Die Workshops wurden jeweils von zwei Schüler_innen der Profilklasse 12MenschWelt vorbereitet und moderiert.

Folgende Workshop-Themen wurden besprochen:

1. Umwelt
2. Legalisierung von Cannabis
3. Bildungspolitik
4. Asylpolitik
5. Sicherheitspolitik
6. Globalisisierungspolitik
7. Internet
8. Klimaschutz

In der Pause zwischen den Workshops fand die zweite kleine Talk-Runde statt: „Politiker fragen – Schüler antworten“. Wie wollten das klassische Muster durchbrechen, bei denen immer die Politiker gefragt werden. Eigentlich sollten doch die Politiker wissen wollen, was ihre Wähler denken. Die jungen Leute stellten sich mitten in die Aula und beantworteten selbstbewusst die Fragen von den Gästen.

Workshop

Politiker fragen – Schüler antworten

Die Workshops hatten das Ziel, jeweils drei Thesen oder Forderungen an die Politik der nächsten vier Jahre zu formulieren. Jede These wurde von den Workshopleiter_innen auf Karten geschrieben, die auf einer Stellwand gesammelt wurden.

Die Profilklasse 12MenschWelt wird sich jetzt nach dem Schülerkongress zusammensetzen und die Karten auswerten und die Ergebnisse an die Politiker weitergeben.

Der Schülerkongress war ein Experiment: Lassen sich die jungen Leute auf dieses Format ein? Schaffen wir das eigenständige Organisieren einer großen Veranstaltung? Haben die Schüler_innen überhaupt genug Interesse an den politischen Themen?

Die Antworten fallen positiv aus: Viele junge Leute fanden es spannend, direkt mit Politikern zu diskutieren, die ungezwungene Diskussion außerhalb des Unterrichts wurde als angenehm empfunden. Die Organisation klappte super, die organisierenden Schüler_innen haben ihren Job hervorragend gemacht.

Schon am Veranstaltungstag selber haben sich Kollegen interessiert gezeigt, den Schülerkongress im nächsten Schuljahr neu aufzulegen – vielleicht mit einem anderen Schwerpunkt. Das wichtigste ist aber, dass die jungen Menschen das Gefühl haben, dass die Gesellschaft ihnen zuhört und dass ihre Meinung und ihre Mitgestaltung gebraucht wird. So wie das Motto des Schülerkongresses es ausgedrückt hat:

Schülerkongress: Wer, wenn nicht wir? 

Johannes Müller im Gespräch mit Schülern

 

Marc Schemmel in der open space

Das Projekt wird gefördert von der Robert Bosch Stiftung im Rahmen der Aktionen für eine Offene Gesellschaft.

 

 

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