Brauchen wir regionale Nutzerkonferenzen?

Das Bundesbildungsministerium und die Kultusministerkonferenz macht eine Konferenz zur Digitalen Bildung in Berlin, gerade tagt die #digiFG zur digitalen Flüchtlingshilfe. Zweimal im Jahr trifft sich die nationale EduCommunity auf den Educamps und noc auf diversen Kongressen. Brauchen wir aber nicht auch regionale Treffen, um nicht nur Absichten zu besprechen, sondern ganz konkret etwas zu machen?

Ich wohne und arbeite in Hamburg und die Hamburger sind mit dem Hashtag #digiHH vernetzt. Die Hamburger treffen sich unregelmäßig bei den Edudrinks im betahaus zum Networken. Danach geht aber jeder wieder in seine Institution, meist der Schule, wo wieder der Alltag beginnt. Letztendlich ist die Gruppe der Menschen, die sich hier treffen, verschwindend klein im Verhältnis zu den 16.000 Lehrer_innen, die es in Hamburg gibt.

Brauchen wir nicht regionale Konferenzen, auf denen es möglich ist, ganz praktisch konkrete Unterrichtsprojekte zu entwickeln, anstatt immer nur über die Wichtigkeit des digitalen Bildungswandes zu reden? Gemeinsam Lernvorhaben planen in den Fächern und Klassenstufen! Hier könnten die Menschen zusammenkommen, die regional mit digitalen Ressourcen arbeiten. Lehrer_innen werden meist dann von der Nützlichkeit neuer Lernmöglicheiten überzeugt, wenn diese für ihr eigenes Unterrichtshandeln von Vorteil sind.

Hier könnten regionale Nutzerkonferenzen helfen, die Digitalisierung in den Schulen weterzubringen. Konkrete Fächer, Konkrete Themen, kurze Wege. Wer macht mit?

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Hart aber fair: nicht die reine Lehre zählt…

Vor zwei Wochen lief im ersten die Polit-Diskussion „Hart aber fair“ zum Thema „Machen Handys dumm?“.  Ich habe mir die Sendung in der Mediathek einen Tag später angeschaut und nach 30 Minuten entnervt abgeschaltet. Immer wieder ging es um die Radikalpositionen: Der unermüdliche Manfred Spitzer beharrte auf seiner Position, dass Lernen mit elektronischen Geräten keinen wissenschaftlich nachgewiesenen positiven Effekt habe, und sein Gegenpart, Frank Theelen, der eine flächendeckende Programmierausbildung für Schüler forderte, um der US-amerikanischen Dominanz in der Programmierung etwas entgegenzusetzen.  

Trotz des Abschaltens ließen mich die Gedanken an die Sendung nicht los: Was bedeutet das für die Schule, für das Lernen. Helfen und Radikalpositionen weiter? 

Ich glaube, es muss nicht jeder Schüler programmieren lernen. Es ist richtig, dass Europa der US-amerikanischen Dominanz in der Programmierung von Betriebssystemen und Apps etwas entgegen setzen sollte. Dazu ist wirklich ein Informatikunterricht an den Schulen notwendig. Aber der muss nicht flächendeckend für alle sein, sondern für die interessierten. Er sollte auch flankiert sein von gesellschaftswissenschaftlichen Kenntnissen. An meiner Schule findet im Moment kein Informatikunterricht statt – mangels Lehrer_innen. 

Auch das Argument von Manfred Spitzer, dass die Nutzbarkeit von Lernen mir elektronischen Medien wissenschaftlich nachgewiesen werden müsse, sollte man nicht so einfach vom Tisch wischen. Aber er meint immer ein entweder-oder. Lernen mit digitalen Ressourcen ist nicht besser als mit analogen Methoden! Aber, und das finde ich entscheidend, es erweitert die Möglichkeiten. Deshalb ist die Frage, die Spitzer immer wieder aufwirft: besser oder schlechter? Nicht richtig.  Die entscheidende Frage ist, erweitern die digitalen Ressourcen die didaktischen Möglichkeiten? Nicht die Frage: entweder – oder ist die richtige, sondern welche Chancen bieten digitale Ressourcen. 

Und unter diesem Aspekt fand ich den Beitrag von Rangar Yogishwar sehr hilfreich, der meinte, dass alle technologischen Neuerungen eine lange Zeit brauchen, um sich gesellschaftlich zu etablieren. Das neue an der digitalen Revolution sei jedoch, dass die Gesellschaft und die Menschen kaum Zeit haben, sich der rasanten technologischen Entwicklung zu folgen und ihr Verhalten anzupassen. Egal ob Eisenbahn („der Mensch kann keine Geschwindigkeiten über 30 km/h überleben“), das Auto („ich glaube an das Pferd“, Kaiser Wilhelm II), das Radio, das Fernsehen („Ihr kriegt quadratische Augen“, meine Eltern 1975), das Telefon, alle technologische Neuerungen haben eine kritische und innovative Seite. Das Neue ist, dass die technologische Entwicklung so schnell ist, dass die Menschen und die Gesellschaft kaum hinterher kommen. Und deshalb fand ich die Beitrag von Rangar Yogishwar, doch bitte etwas Gelassenheit an den Tag zu legen, sehr richtungsweisend. 

Deshalb glaube ich, das Hauptargument, warum sich Schule mit digitalen Medien beschäftigen sollte ist: weil is sie gibt! 

Die Schule als  Instiution für die Reproduktion für Gesellschaft hat die Aufgabe, den technologischen Wandlungsprozess zu begleiten und denSchüler_innen die Möglichkeit zu geben, sich in diesem Transformationsprozess zurecht zu finden. Dieser Prozess ist widersprüchlich, wie alle bisherigen gesellschaftlichen und technologischen Wandlungsprozesse, aber wir als Schule müssen ihn annehmen, und dürfen nicht in einem Abwehrreflex (Spitzer) und nicht in einem Überreflex (Alle müssen programmieren können) verfallen. Wir befinden uns in einem digitalen Wandel, ob wir wollen oder nicht. Und darauf muss die Schule reagieren. Sonst nimmt sie ihre Verantwortung für die gesellschaftliche Reproduktion nicht wahr. 

Digitale Ressourcen gehören in die Schule – wir müssen damit umgehen lernen.