OER in der Schule: Schülerarbeiten veröffentlichen

Welche didaktischen Perspektiven bietet OERin den Schulen? OER-Programm-Logo klein

Ich sehe neue Perspektiven in der Veröffentlichung von Schülerarbeiten im Internet. Normalerweise werden Hausarbeiten, Projektarbeiten, Portfolios usw. abgegeben und vom Lehrer bewertet, die Note in die Liste eingetragen und den Schülern zurück gegeben. Dann wandern sie bestenfalls in den Papiermüll.

Sollten Schülerarbeiten nicht mehr wertgeschätzt werden? Sollte die Idee der kollektiven Anreicherung von Wissen, das durch Ideen wie Wikipedia im Internet Wirklichkeit geworden ist, nicht auch in der Schule angewendet werden? Bekommen die Arbeiten der Lernenden nicht auch einen neuen Wert, wenn klar ist, sie werden veröffentlicht und stehen anderen Lernenden zur Verfügung? Ich glaube, mit einer Veröffentlichung ist auch eine andere Wertschätzung verbunden, die eine verbesserte Motivation zum Lernen ermöglicht.

Analog kann man gute Schülerarbeiten kopieren und in Ordnern bereitstellen: für nachfolgende Schülergenerationen. Das Internet bietet dafür aber viele Möglichkeiten, Arbeiten bereit zustellen und zu nutzen. Das einfachste ist es, digitale Schülerarbeiten auf dem Schulserver zu lagern und allen Schulmitgliedern zur Verfügung zu stellen. Außerhalb der Schule kann man die vorhandenen Referatsplattformen, eigene Blogs, die Schulhomepage u.ä. benutzen. Man muss von Fall zu Fall entscheiden, ob eine schulinterne oder weltweite Veröffentlichung sinnvoll ist.

Durch eine Veröffentlichung von Schülerarbeiten lässt sich eine Lernkultur weiterentwickeln:

  • Es wird deutlich, dass Lernen nicht nur ein individueller Prozess, sondern dass Lernen auch ein Beitrag zum kollektiven Wissen sein kann.
  • Es kann eine neue Motivation entstehen, wenn Arbeiten nicht nur „für den Lehrer“, sondern auch für andere Schüler und nachfolgende Lernergenerationen. Schülerarbeiten bekommen einen Wert über die Note hinaus.
  • Veröffentlichung von Schülerarbeiten macht eine Auseinandersetzung mit dem Urheberrecht und dem korrekten Entnehmen und Zitieren der benutzen Quellen nötig.
  • Das Veröffentlichen macht eine Diskussion über die Fehlerkultur nötig: Schülerarbeiten sind natürlich nie perfekt, aber sie können von anderen aufgenommen werden und verbessert werden.
  • Es wird ein kritischer Umgang mit Quellen nötig. Für die Schüler wird einsichtiger, den Wahrheitsgehalt von Quellen kritisch zu überprüfen.

Für die Veröffentlichung bietet sich die Idee von Open Education Ressources unter einer offenen cc-Lizenz an. Dann können Schülerarbeiten auch von anderen weiterverwendet werden, natürlich nur unter voller Namensnennung und Quellenangabe.

Ein Beispiel:

Vor der Hamburger Bürgerschaftswahl hat meine 12. Profilklasse eine Podiumsdiskussion organisiert. Die Schüler haben viele Erfahrungen im Veranstaltungsmanagement gemacht und alles selbstständig vorbereitet. Ich glaube, sie haben wichtige Erkenntnisse im Bereich „Partizipation am politischen Prozess“ (wie es der Bildungsplan fordert) gemacht.

In der Nachbereitung hatte jede Gruppe die Aufgabe, eine Checkliste zu ihrer Arbeit zu erstellen und eine Reflexion der Vorbereitung zu schreiben. Diese Nachbereitung fügen wir dann in eine Manual für die Organisation von Podiumsdiskussionen zusammen, so dass bei den nächsten Diskussionen die Vorbereitungsgruppen eine Arbeitsgrundlage haben.

Diese Arbeitsdukumentation ist natürlich nicht perfekt, sie kann aber durch nachfolgende Schülergruppen verbessert werden. Dadurch wird deutlich, dass Schule nicht nur ein individuelles Aufnehmen von Wissen ist, sondern gleichzeitig auch Wissen und Erfahrungen produziert. Ich glaube, in der Veröffentlichung von Schülerarbeiten auf Grundlage von OER hat einen deutlichen didaktischen Mehrwert.

Hier das Manual zur Podiumsdiskussion:

Manual Podiumsdiskussion