#oerkoeln: Lernprodukte mit neuer Fehlerkultur

Wenn wir Lernpodukte mit OER erstellen und veröffentlichen wollen, brauchen wir eine neue Fehlerkultur. Lernprodukte sind ja nie perfekt, was Lernende produzieren, kann man ja nicht mit professionellen Veröffentlichungen vergleichen. Trotzdem halte ich das Veröffentlichen für einen wichtigen Schritt der Wertschätzung und der Verantwortung für die eigene Arbeit. Lernprodukte werden nicht mehr nur für den Lehrer gemacht, sondern für andere; je nach Verbreitung für die Klasse, den Jahrgang, die Schule, die Welt.

Das ist doch eigentlich der Sinn von OER, Dinge zu veröffentlichen, die andere weiter verwenden und verbessern können. Die Idee, gemeinsam für ein best möglichen Produkt zu arbeiten, finde ich faszinierend. Es verlangt Mut, Dinge zu veröffentlichen, von denen man weiß, dass sie noch nicht perfekt sind und den „momentan gültigen Irrtum“ darstellen (Peter Fratton).

Das gilt natürlich auch für Lehrende. Viele Lehrprodukte werden nicht veröffentlicht, weil sie schnell für die nächste Stunde entworfen wurden und eine pragmatische Qualität aufweisen. Sie erfüllen nicht die harten Kriterien der Didaktik und dem strengen Blick der Seminarleiter. Ich glaube das ist der Grund, warum Lehrende auch so zurückhaltend mit der Kooperation sind: sie müssten eigene Arbeit offen legen, die nicht die Qualität einer Doktorarbeit hätte.

Aber was wäre daran so schlimm? Sollten wir Lehrende nicht mit gutem Beispiel voran gehen und selbstbewusst unsere nicht perfekten Lehr-Materialien veröffentlichen, damit sie im Sinne von OER von anderen aufgenommen, verbessert, verarbeitet werden können? Im Sinne von Anregen, Inspirieren, Ideen geben? Wenn wir Lehrenden mit einer neuen Fehlerkultur voran gehen würden, könnte das auf die Schüler ermutigend wirken.

Ich werde mich bei jedem Lernenden bedanken, der etwas falsches sagt: er gibt uns die Chance, in Zukunft falsche Wege zu vermeiden und die Möglichkeit, uns vertiefter mit der Sache auseinander zusetzen.

OER Camp in Köln

Ich komme zurück nach Hamburg vom OER Camp und dem learnlab an der Kaiserin Augusta Schule am Freitag. Zeit Tage voller Eindrücke und Inputs, voller Gespräche und Gedanken.  Die Chancen und Möglichkeiten des Lernens mit dem Internet wurden über zwei Tage ausgelotet und vermessen. Zwei Tage sitzen oder stehen, schauen auf smartphone und Tablett, auf Twitterwalls und Notebook Bildschirme. Fünf Stunden im IC mit langen Verspätungen.

Jetzt sehne ich mich nach Bewegung und Sport, nach Natur und draußen sein, nach dem Geruch des Herbstes, den Farben des Laubes, und das alles ohne irgendwelche Bildschirme und Beamer.

Trotz aller Begeisterung für das Lernen mit dem web 2.0 gibt es auch ein sinnliches Leben ohne Bildschirme. Lasst uns diese Welt den Schülern zeigen, in dem wir mit ihnen im Frühnebel joggen gehen, mit dem Bestimmungsbüchern in der Hand durch Wälder streifen und das farbige, nasse Herbstlaub hochwerfen. Ohne sinnliche, unmittelbare Erfahrung kann das lernen im web 2.0 nicht funktionieren.

Für eine Vielfalt des Lernens!

Lernprodukte mit OER

Referate, Hausarbeiten, Plakate, Präsentationen – Alltag in den Schulen seit Jahren. Die Plakate verstauben auf den Klassenschränken und werden am Schuljahresende weggeschmissen, Referate gehalten und nach Erhalt der Zensur vergessen, Hausarbeiten mit Glück von den Lehrerinnen und Lehrern gelesen, mit dem Ziel, eine Note zu vergeben. Mit Glück kommt ein Plakat mal eine eine Klassen- oder Schulwand.

Dabei haben viele Produkte von Schülern es verdient, mehr gewertschätzt zu werden als nur durch eine Note. Das Internet bietet nun viele Möglichkeiten, Arbeiten von Schülern zu veröffentlichen und mehr Menschen zu präsentieren. „Lernen sichtbar machen“, wie John Hattie nach seiner Auswertung von tausenden von Studien fordert, könnte so verwirklicht werden. Der einfachste Schritt ist natürlich eine Veröffentlichung auf der Schulhomepage. Ich habe für meine Klasse ein WordPress-Blog aufgelegt, in dem wir Lernprodukte veröffentlichen. Dieser ist dann mit der Schulhomepage verlinkt.

Aber bei jeder Veröffentlichung im Internet kommt man mit dem Copyright in Berührung. Das in der Schule übliche kopieren und neu zusammensetzen von Lernmaterialien, von Lehrerinnen und Lehrern bei der Gestaltung von Arbeitsblättern täglich praktiziert, geht bei einer Veröffentlichung im Internet natürlich nicht mehr. Veröffentlichen macht es notwendig, sich über das Urheberrecht mit den Schülerinnen und Schülern genau auseinanderzusetzen. Das beliebte Copy and Paste geht dann nicht mehr.

Ich halte die Notwendigkeit, nur eigene Produkte zu verarbeiten, für einen wichtigen Lernschritt. Die Umwandlung von Gelesenem in ein eigenes Produkt ermöglicht ein „vertieftes Verarbeiten“, das ein nachhaltiges Lernen, das über den nächsten Test-Termin hinausgeht, möglich. Trotzdem gibt es Inhalte, besonders Fotos, Grafiken und Videos, die sinnvoll in ein eigenes Lernprodukt eingebunden werden sollte.

Hier kann man dann nur freie Materialien nehmen, die zur Weiterverwendung lizensiert sind. Hier setzt das Konzept Open Education Ressorces an. Freie Bildungsmaterialien sind ausdrücklich für die Weiterverwendung freigegeben. Sie können bei Namensnennung und Quellenangabe für eigene Lernmaterialien verwendet werden.

Das Herstellen von eigenen Lernmaterialien und deren Veröffentlichung kann ein wichtiger Schritt für eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Lerngegenständen sein und eine stärkere Identifikation der Lernenden mit ihrer Arbeit ermöglichen.

Ich werde an dieser Stelle weiter über praktische Beispiele von Lernprodukten berichten.