Potentialentwicklung mit jungen Erwachsenen

Potentialentwicklung an der Oberstufe? Da geht es doch in erster Linie um das Bestehen des Abiturs. Und dann um einen guten Notenschnitt! Also geht es in erster Linie um die Verteilung von Zukunftschancen: Wer darf Medizin und Jura studieren!

Die erste Aufgabe von Schule sollte die Entwicklung und Entfaltung von den Potentialen von jungen Menschen sein. Erst sehr nachrangig ist die Auslese und Bewertung von Schülern, um die Startchancen im Leben aufzuteilen. Wenn von Potentialentfaltung gesprochen wird, hat man in erster Linie den Wissensdurst von Kindern vor Augen, den man in der Schule aufgreifen will. Aber die jungen Leute zwischen 15 und 19, die an den Oberstufen lernen, gehen meist sehr strategisch an das Lernen heran: wie kann mit minimalem Aufwand eine möglichst hohe Punktzahl erreicht werden? Vom systemischen Standpunkt aus betrachtet ist ein solches Vorgehen auch ökonomisch. Bei 34-36 Wochenstunden hat man wenig Zeit, sich auf Interessen und Begeisterung einzulassen. Und die jungen Leute haben mit zehn Schuljahren ja auch schon reichlich Erfahrung, wie es in der Bildungsökonomie läuft.

Trotzdem mit jungen Erwachsenen an der Oberstufe Potentiale entwickeln? Ja!

Ich arbeite in meiner Profilklasse 12/13 MenschWelt (mit den Fächern PGW, Geografie) an Semesterprojekten, die es den jungen Lernenden ermöglichen soll, eigene Forschungs- und Lernschwerpunkte zu setzen. Dabei ist es immer wieder eine hohe Herausforderung, Projekte so offen zu konzipieren, dass die Lernenden eigene Gestaltungsmöglichkeiten haben, auf der anderen Seite auch die Anforderungen des Bildungsplanes abzudecken, denn ich bewege mich ja im System einer staatlichen Schule. Deshalb muss ich bei dem Projektdesign auch darauf achten, Rückmeldekriterien zu haben, die eine Bepunktung (Benotung) ermöglichen, sonst wäre die Arbeit nichts „wert“.

In der 12. Klasse habe ich die Projekte:

– Gentrifizierung in Hamburger Stadtteilen

– Europa und die Türkei (mit Studienreise nach Istanbul)

durchgeführt. Bei dem Gentrifizierungsthema wurde als Produkt ein Forschungsbericht erstellt, bei dem Europa/Türkei Thema wurde eine Stellwand mit Film oder Computerpräsentation produziert. Diese wurden auf einem Elternabend und am Kulturtag der Schule präsentiert.

Hier können die Projekte näher angesehen werden: http://blogs.hamburg.schulcommsy.de/276082_3264314/

Die SchülerInnen konnten aus meiner Sicht in den Projekten vielfältige Lernerfahrungen machen:

  • Es braucht viel Zeit, eine Arbeitsgruppe zu organisieren und mit den Emotionen umzugehen
  • Eine eigene Forschung ist mehr als nur ein paar Informationen aus dem Internet aufzuschreiben
  • Ein Projekt braucht eine gute Planung
  • Ein Projekt braucht eine gute Arbeitsteilung
  • Selbstbestimmtes Arbeiten macht viel Spaß, aber bei Problemen muss man auch mit Frust umgehen.

Aber: es geht hier nicht nur um den Prozess, sondern auch das Ergebnis ist wichtig. Daran misst sich auch das Feedback von mir als Lehrer anhand der Bewertungskriterien. Wichtig ist mir immer, dass jede Arbeit mit einer Reflexion abgeschlossen wird, die auch in die Bewertung mit einfließt.

Gerade in Zeiten des Zentralabiturs halte ich solche Projekte für besonders wichtig. Wie sollen denn sonst die jungen Erwachsenen lernen, die Probleme unserer Gesellschaft zu lösen?

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